Einen Online-Kurs erstellst du, indem du ein konkretes Lernergebnis definierst, die Nachfrage bei möglichen Teilnehmenden prüfst, den Lernweg darauf abstimmst und den fertigen Kurs mit einer Pilotgruppe testest. Der Leitfaden richtet sich an Kursanbieter, Coaches und Bildungsteams, die aus Fachwissen ein nachvollziehbares Lernangebot machen möchten.

Der wichtigste Unterschied: Eine Sammlung von Videos oder Texten ist noch kein durchdachter Kurs. Erst wenn Lernziel, Übung und Lernkontrolle zusammenpassen, können Teilnehmende zeigen, was sie gelernt haben. Auch Interesse an einer Idee oder eine hohe Abschlussquote beweist für sich genommen weder Kaufbereitschaft noch Lernerfolg.

Was du vor dem Start brauchst

  • Fachwissen zum Thema oder Zugang zu einer qualifizierten Fachexpertin beziehungsweise einem Fachexperten.
  • Eine vorläufige Zielgruppe und die Möglichkeit, mit potenziellen Lernenden zu sprechen oder ihre Rückmeldungen einzuholen.
  • Einen Computer sowie passende Werkzeuge zum Schreiben, Aufnehmen oder Bereitstellen der geplanten Inhalte. Welche Werkzeuge nötig sind, hängt vom Format ab.

Arbeite die Schritte in dieser Reihenfolge durch. So investierst du nicht zuerst in umfangreiche Produktion, bevor Zielgruppe, Bedarf und Lernweg klar sind.

  1. Beschreibe die Zielgruppe und ihr Lernergebnis. Warum: Ein klarer Rahmen hält Kursversprechen und Inhalte auf das tatsächliche Problem der Lernenden ausgerichtet.

Notiere, in welcher Situation die Lernenden Hilfe brauchen, was sie schon wissen oder versucht haben und welche Einschränkungen für sie wichtig sind. Formuliere das Ergebnis als etwas, das sie am Ende tun, erstellen, erklären oder entscheiden können. Ein Themengebiet allein, etwa „Marketing“, beschreibt noch keine konkrete Fähigkeit. Nutze das Ergebnis als Grenze für den Umfang: Inhalte, die weder dazu beitragen noch eine notwendige Voraussetzung vermitteln, gehören nicht automatisch in den Kurs.

  1. Prüfe die Kursidee bei potenziellen Lernenden. Warum: Rückmeldungen können zeigen, ob das Problem tatsächlich besteht und welche Lösung gefragt ist, bevor du den ganzen Kurs produzierst.

Frag nach konkreten Erfahrungen: Wann trat das Problem zuletzt auf? Was haben die Personen bereits ausprobiert? Was blieb schwierig? Ein kurzes Gespräch oder eine Umfrage kann wiederkehrende Bedürfnisse, Vorwissen und bevorzugte Lernformate sichtbar machen. Eine Antwort auf „Würdest du den Kurs kaufen?“ ist jedoch nur eine geäußerte Absicht, kein Kauf.Wenn du vor der vollständigen Produktion einen bezahlten Pilot oder Vorverkauf anbietest, erkläre klar, dass das Angebot noch nicht fertig ist. Nenne, was geliefert wird und wann, und lege die geltenden Rückerstattungsbedingungen offen. Eine tatsächliche Zahlung ist ein stärkeres Signal für Kaufbereitschaft als Lob, Umfrageantworten oder Einträge auf einer Warteliste. Sie garantiert aber weder spätere Verkäufe noch Lernergebnisse.

  1. Plane den Lehrplan rückwärts vom Lernergebnis. Warum: So bereitest du Lernende gezielt auf den Nachweis der versprochenen Fähigkeit vor.

Lege zuerst fest, woran du erkennen würdest, dass jemand das Ergebnis erreicht hat. Das kann eine praktische Aufgabe, ein erstelltes Arbeitsergebnis, eine begründete Entscheidung oder eine passende Wissensabfrage sein. Bestimme danach, welche Teilfähigkeiten und Voraussetzungen dafür nötig sind. Ordne sie zu Modulen und Lektionen, vom grundlegenden Wissen bis zur Anwendung.Verbinde für jedes Modul das Lernziel mit einer passenden Aktivität und einer Lernkontrolle. Wenn eine Prüfung etwas verlangt, das im Kurs nie geübt wurde, stimmt die Abfolge noch nicht. Entferne außerdem Material, das weder das Kursziel noch eine notwendige Voraussetzung unterstützt.

  1. Erstelle Materialien passend zur Lernaufgabe. Warum: Das Format soll das Verstehen oder Üben unterstützen und muss nicht in jedem Kurs gleich sein.

Video, Text, Audio, interaktive Aufgaben, Quizze und Live-Sitzungen sind mögliche Formate. Wähle sie nach Lernziel, Zielgruppe und verfügbaren Ressourcen, statt standardmäßig eine umfangreiche Videosammlung zu produzieren. Erkläre in jeder Lektion, worum es geht und was Lernende tun sollen. Ergänze Beispiele und Übung, wenn sie zum Lernziel beitragen.Prüfe Materialien auf fachliche Richtigkeit, verständliche Sprache, konsistente Begriffe, funktionierende Links und passende Medienrechte. Berücksichtige Barrierefreiheit und unterschiedliche Lernbedingungen bereits beim Entwurf. Allgemeine Empfehlungen zur zugänglichen Gestaltung ersetzen keine Prüfung der konkreten Anforderungen an deinen Kurs.

  1. Wähle eine Bereitstellungsplattform nach deinen Anforderungen und prüfe den Lernpfad. Warum: Die Plattform muss deine geplanten Inhalte und Interaktionen tragen, und Lernende müssen den Kurs tatsächlich nutzen können.

Schreibe auf, welche Formate, Lernkontrollen, Interaktionen und Integrationen du brauchst. Berücksichtige auch Analysefunktionen, Support, Datenschutz und Sicherheit sowie dein Budget. Vergleiche mögliche Anbieter mit dieser Liste und prüfe aktuelle Tarife und Bedingungen direkt beim Anbieter, wenn Preis oder eine bestimmte Funktion ausschlaggebend ist. Anbieterempfehlungen sind kein unabhängiger Vergleich.Lege die Module, Lektionen und Materialien in der gewählten Umgebung an. Erkläre auf der Kursseite Zielgruppe, Lernergebnis, Voraussetzungen, Format und verfügbaren Support. Wenn du den Kurs verkaufst, prüfe vor der Veröffentlichung auch Preis-, Zahlungs- und Rückerstattungsbedingungen. Die genauen Menüs und Veröffentlichungsabläufe unterscheiden sich je nach Plattform.Das GetResponse-Video veranschaulicht einen solchen Ablauf in einer bestimmten Anbieteroberfläche. Nutze es als Plattformbeispiel, nicht als verbindliche Anleitung für andere Systeme.

Das GetResponse-Tutorial vom 26. September 2024 zeigt die Einrichtung eines Kurses, einer Kursseite sowie von Preis- und URL-Einstellungen in einer bestimmten Plattform. Die gezeigten Menüs sind kein allgemeingültiger Ablauf.
  1. Teste den Kurs mit einer Pilotgruppe und überarbeite ihn anhand der Ergebnisse. Warum: Rückmeldungen und Lernaufgaben zeigen unterschiedliche Probleme, die du gezielt beheben kannst.

Lass eine begrenzte Gruppe aus deiner Zielgruppe den Kurs durchlaufen. Beobachte, ob die Teilnehmenden der Reihenfolge folgen und die vorgesehenen Lernkontrollen bearbeiten können. Halte Fragen, Verständnisprobleme und Zugangsbarrieren fest. Sammle zusätzlich Rückmeldungen zur Kurserfahrung.Werte die Arbeit der Lernenden getrennt von Zufriedenheit und Abschlussquote aus. Diese Kennzahlen beschreiben verschiedene Dinge und belegen einzeln nicht, dass das Lernziel erreicht wurde. Wenn viele Teilnehmende den Kurs abschließen, die vorgesehene Fähigkeit aber nicht zeigen, prüfe zuerst die Verbindung zwischen Lernziel, Übung und Lernkontrolle. Ändere gezielt und teste erneut.

KI kann beim ersten Entwurf helfen

ChatGPT kann einen ersten Kursentwurf oder eine Gliederung liefern. Behandle das Ergebnis als Ausgangspunkt: Ergänze fehlende Inhalte mit deinem Fachwissen und prüfe, ob jede Lektion zum Lernergebnis, zur Übung und zur Lernkontrolle passt. Ein automatisch erzeugter Entwurf ist noch kein fertig geprüfter Kurs.

Häufige Fehler beim Erstellen eines Online-Kurses

  • Ein zu breites Versprechen: Begrenze den Umfang auf ein konkretes Ergebnis für eine erkennbare Zielgruppe.
  • Lob oder Umfragewerte als Kaufbeleg behandeln: Geäußertes Interesse ist nicht dasselbe wie eine tatsächliche Zahlung.
  • Prüfungen ohne passende Vorbereitung: Übung, Lernkontrolle und Kursziel müssen zusammenpassen.
  • Abschluss oder Zufriedenheit mit Lernerfolg gleichsetzen: Prüfe zusätzlich die Arbeit, mit der Lernende das Ziel zeigen sollen.
  • Einnahmen als sicher einplanen: Es gibt kein allgemein profitabelstes Kursthema und keine Garantie, dass ein bestimmter Kurs Verkäufe erzielt.

So prüfst du, ob der Kurs bereit ist

Ein Kurs ist für die Pilotphase vorbereitet, wenn Lernende auf die Materialien zugreifen, der vorgesehenen Reihenfolge folgen und die geplanten Lernkontrollen bearbeiten können. Stelle sicher, dass sie auch wissen, was als Nächstes zu tun ist. Nach dem Pilot ist der entscheidende Check, ob ihre Arbeit das angestrebte Ergebnis erkennen lässt. Wenn nicht, überarbeite den Lernweg und teste die Änderung erneut.

Der Ablauf auf einen Blick

  • Lernende und beobachtbares Lernergebnis festlegen.
  • Bedarf prüfen und Interesse von Kaufbereitschaft unterscheiden.
  • Lernkontrollen, Übungen und Lektionen rückwärts vom Ergebnis planen.
  • Materialien passend zur Aufgabe erstellen und die Plattform nach Anforderungen wählen.
  • Zugang, Lernarbeit und Rückmeldungen im Pilot prüfen und den Kurs gezielt überarbeiten.
Online-Kurs erstellen: Vom Lernziel zum erfolgreichen Pilotkurs